VCS will Bevölkerung vor mehr Fluglärm schützen
Bern, 29. September 2011

Das überarbeitete Objektblatt aus dem Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) für den Flughafen Bern-Belp bietet zu grossen Spielraum für zusätzliche Flugbewegungen und ermöglicht eine markante Verschiebung hin zu mehr privatem Flugverkehr. Der VCS Kanton Bern lehnt eine solche Entwicklung ab und fordert eine Reduktion der maximalen Anzahl Flugbewegungen auf 60‘000 pro Jahr.
52‘200 Flugmaschinen pro Jahr starteten oder landeten in den letzten vier Jahren auf dem Flughafen Bern-Belp. Die Wohnbevölkerung in den Flugschneisen wird dadurch stark in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Der VCS Kanton Bern hat deshalb kein Verständnis dafür, dass das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) mit dem revidierten SIL-Objektblatt dem Flughafen im Vergleich zur heutigen Praxis bis zu 40 Prozent mehr Flugbewegungen zugesteht. 75‘000 Flugbewegungen pro Jahr sind nicht gerechtfertigt und dürfen der Bevölkerung und der Umwelt nicht zugemutet werden.
Mehr Privatfliegerei bedroht Wohn-, Naherholungs- und Naturschutzgebiet
Obwohl das neue SIL-Objektblatt den Anteil der Linien- und Charterflugbewegungen deutlich verringert (von 15‘750 auf 5‘500 bis 6‘500), nimmt die Gesamtzahl der Flugbewegungen nicht zugunsten der Anwohnerschaft ab, sondern wird bei maximal 75‘000 pro Jahr belassen. Damit werden offensichtlich die Voraussetzungen für einen massiven Ausbau der Privatfliegerei geschaffen, welche die frei gewordenen Flugbewegungen kompensieren soll. Dies stünde im Widerspruch zum kantonalen Richtplan, der Flüge im öffentlichen Interesse befürwortet, aber eine zurückhaltende Politik bei Flügen der rein privaten Bedarfsfliegerei verfolgt. Der VCS Kanton Bern lehnt eine Förderung von Freizeit- und Geschäftsflügen rund um den Flughafen Bern-Belp entschieden ab und fordert eine Reduktion auf maximal 60‘000 Flugbewegungen pro Jahr. Damit wird dem Flughafen der heutige Betrieb weiterhin ermöglicht. Ein Ausbau ist nicht verantwortbar. Der Flughafen befindet sich in dichtbewohntem Gebiet, grenzt unmittelbar an ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung und liegt in einem wichtigen Naherholungsgebiet. Sowohl für den inländischen Verkehr wie auch für die Anbindung naher Ziele im Ausland und an den internationalen Luftverkehr ist eindeutig die Bahn das geeignete und weiter zu fördernde Verkehrsmittel.
öV-Angebot stärken statt Gratisparkplätze anbieten
Heute reisen die meisten Passagiere mit dem Auto zum Flughafen Bern-Belp an, nicht zuletzt weil der Flughafen aktiv mit seinem attraktiven Parkplatzangebot wirbt. Bei einigen Fluggesellschaften ist sogar ein Gratisparkplatz im Flugticket inbegriffen. Solche Anreizsysteme begünstigen eine Anreise mit dem Auto und erschweren den Weiterbetrieb der existierenden öV-Angebote zum Flughafen. Der VCS verlangt deshalb, dass im neuen SIL-Objektblatt verbindliche Ziele zur Eindämmung des Zubringerverkehrs am Boden festgelegt werden.
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Weitere Informationen
Simon Küffer, Geschäftsleiter VCS Kanton Bern, Tel. 031 318 54 44