Marseille

Wanderung durch die Calanques

Der blaue Horizont

L’année prochaine, j’irai à la mer, sagen die Franzosen, wenn sie die Berge satt haben.
An der Côte d’Azur und in den Calanques hat man beides: Die Alpen und freie Sicht aufs Mittelmeer.
Eine Weitwanderung entlang einer der schönsten Küsten Europas.

Genau dies macht das Besondere des Küstenwanderns an der Côte varoise aus. Die Küste des De-partement Var reicht von Le Trayas im Estérel bis Les Lecques bei Saint-Cyr-sur-Mer. Entlang der 432 km langen Var-Küste verläuft immer wieder der Sentier du littoral. Wir geniessen 128 km davon; dazu kommen noch 42 km über das Cap Canaille, dem mit knapp 400 m höchsten Kliff Frankreichs, nach Cassis. Sowie die rund zehnstündige Durchquerung des Felsenmeeres der Calanques nach Marseille – ein atemberaubender Abschluss einer Fussreise an der azurblauen Küste mit neun Etappen und 56 Wanderstunden.
Der Sentier du littoral ermöglicht es, eine Côte d’Azur zu entdecken, wie sie einst fast überall war: eine rötlich und gelblich leuchtende Küste mit grünen Bäumen und weisser Gischt, wunderbar blaues Wasser, ein ebensolcher Himmel. Zudem gibt der Uferpfad seinen Benützern das erhabene Gefühl, den Privatbesitzern ein Schnippchen zu schlagen. Wo er angelegt werden konnte, verläuft er nämlich meistens zwischen den Grundstücken und dem Wasser. Millionen wurden zum Beispiel rund um das Cap de St-Tropez in die Villen gesteckt, aber vorne geht, den direkten Privatzugang zum Strand verwehrend, der diskret gelb markierte Wanderweg vorbei.

Cassis

Im Fischerhafen von Im Fischerhafen von Cassis, dem quirligen Ort zwischen der Steilküste des Cap Canaille und den Calanques, warten die Ausfl ugsboote, um die Touristen in die Buchten der Kalk-steinwildnis zu kutschieren. Als wir mit dem Rucksack über die Hafenmauer wandern, macht einer der Bootsführer eine einladende Geste. Non merci, wir möchten zu Fuss gehen, entgegnen wir. «C’est bong pour les jambes», sagt er lachend im provenzalisch gefärbten Französisch.

Cap Morgiou

Wer gute Beine hat, schafft die Strecke in einem Tag. Wer gar noch über Reserven verfügt, kann mit einem rund einstündigen Abstecher einen weiteren der magischen Orte dieser weissen Meeresberge kennenlernen: das Cap Morgiou. Sitzt man zuvorderst, noch ein paar Meter weiter als der letzte gelbe Blumenstrauss, hat man die Welt hinter sich gelassen. Stillstand und Bewegung. Nur noch die Wellen, die an die Klippe klatschen, 20 Meter weiter unten. Möwen, die schreien. Ein Boot, das vorbeituckert. Ostwärts geht der Blick bis zum Bec de l‘Aigle bei La Ciotat, westwärts bis zur Île Maire vor Les Goudes: die ganze Felsenküste der Calanques.

Nützliche Informationen

  • Charakter:
    St-Tropez – Marseille zu Fuss eignet sich für küstenerfahrene Gipfelstürmerinnen und trittsichere Strandläufer. Wer nicht stundenlang zur Traumbucht wandern kann, kommt ins Schwitzen. Wer schon nur bei zwei Liegestuhlreihen den Überblick verliert, wird sich auch auf den meist markierten Wegen nicht zurechtfinden. In den Etappen 4 und 5 hat’s zudem weglose Abschnitte, wo man leicht klettern muss – bei zu hohen Wellen ist kein Durchkommen mehr mög-lich.
  • Jahreszeit:
    Mai, Juni, September; im April und Oktober sind viele Hotels geschlossen, im Sommer hat‘s zu viele Leute.
  • Anreise:
    Bahn über Marseille nach Toulon (www.sbb.ch) und Bus nach St-Tropez (www.varlib.fr).
  • Varianten:
    Dank der öffentlichen Verkehrsmittel lassen sich einzelne Etappen locker auslassen.
  • Ausrüstung:
    Gut sitzende Wanderschuhe, knapp sitzende Badekleider.
  • Karten:
    IGN Top 25, Blätter 3545 OT St-Tropez, 3446 ET Le Lavandou, 3446 OT Hyères, 3346 OT Toulon, 3245 ET Aubagne – La Ciotat; 3145 ET Marseille.
  • Führer:
    Pierre Garcin, Nicolas Lacroix: Sentiers du littoral méditerranéen. Randonnées de Marseille à St-Tropez, Éditions Glénat 2008 (Bildbandführer mit Beschreibung fast aller Etappen). Daniel Anker: Côte d’Azur, Rother Wanderführer 2011.

Umweltrechner